Zum Ettaler Mandl

Die Benediktinerabtei Ettal, bekannt für feine Liköre

Nachdem einige kurze Touren im Flachland zum Einlaufen der Wanderschuhe genutzt wurden, ging es am vergangenen Wochenende erstmals ins alpine Gelände. Mit dem „Ettaler Manndl“ (hat nichts mit der Mandel zu tun, sondern ist die Verniedlichung von „Mann“) in den Ammergauer Alpen hatten wir uns eine mittlere bis schwere Tour herausgepickt. Hierbei ist anzumerken, dass wir insgesamt drei Wanderführer zu Rate gezogen haben: Den Klassiker „Münchner Hausberge“ von Michael Pause, sowie zwei Wanderführer aus dem Rother Wanderbuch-Verlag. Zusammenfassend ist zu sagen, dass alle ihre Vor- und Nachteile haben. Vor allem unterscheiden sie sich häufig im Einschätzen des Schwierigkeitsgrads der Strecke. Für den einen ist der Weg „ideal für Kinder ab 8 Jahren“, für den anderen jedoch eine schwarze, demnach schwierige Tour. Eine Mischung aus allen drei Wanderführern ergab für uns die passendste Einschätzung: es war eine mittlere bis schwere Strecke, die man aber bloß nicht mit Kindern wandern sollte.

Angereist sind wir mit der Bahn aus München, und zwar am späten Vormittag. Dies sollte sich in mehrfacher Hinsicht auszahlen: Die große Masse der Frühwanderer war schon unterwegs und die pralle Mittagssonne konnte uns beim Start in Ettal nichts antun, da der erste Streckenabschnitt durch einen schattigen Wald führte. Somit: Alles richtig gemacht!

Die Bahnfahrt endete in Oberau. Mit dem Bus sollte es nun ins sechs Kilometer entfernte Ettal gehen. Leider sind beide Verkehrsmittel (sicherlich auch bedingt durch die vorhandene Ländlichkeit) nicht perfekt aufeinander abgestimmt, sodass eine halbe Stunde Wartezeit auf den Bus anstand. Wir versuchten daher zu Trampen, was auch nach 10 Minuten belohnt wurde. Eine nette Engländerin nebst ihrer Tochter Grace gabelte uns auf. Unter den skeptischen Blicken der Tochter (ahnte das Kind, dass die 1633 Meter des „Manndl“ einen Ostwestfalen an seine Grenzen bringen würden?) fuhren wir nun bequem bis zur Benediktinerabtei Ettal, unserem Startpunkt.

Wie bereits erwähnt führte der Großteil der Strecke ab jetzt durch einen schattigen Wald. Warm wurde uns aber dennoch, da der Weg stetig anstieg. Fast auf der Hälfte der Strecke bergauf endet die Schotterpiste und wird zu einem gut ausgebauten Waldpfad. Die teilweise recht hohen Stufen auf ebendiesem Abschnitt ließen uns jedoch alle Familien mitleidig belächeln, die diese Strecke noch mit kleinen Kindern zurücklegen mussten. Der Satz „Noch lachen sie.“ von kinderlosen Wanderern beim Anblick von Wanderfamilien drang später häufiger an unser Ohr. Hier ein Ausblick an einem der wenigen waldlosen Abschnitte des Aufstiegs:

Der Wegweiser am Startpunkt teilte uns einen zweistündigen Aufstieg mit. Dies passte auch ziemlich genau, sodass wir am frühen Nachmittag den Einstieg in den Klettersteig zur Spitze des „Manndl“ erreichten. Ein Schild an dieser Stelle warnt vor der Selbstüberschätzung der Wanderer beim Versuch, den Gipfel über den Klettersteig zu erreichen. Dieser Hinweis ist wichtig und richtig, da es tatsächlich vor allem Überwindung und Mut kostet, an diesem Felsen zu klettern. Da ich persönlich keinen Vergleich zu anderen Klettersteigen habe, möchte ich auch keinerlei Rat geben. Wie gesagt, am Ende muss jeder selbst für sich entscheiden, ob er/sie sich das Ganze zutraut.

Der Klettersteig ist mit einer stabilen Kette und vereinzelt mit zusätzlichen Eisenstäben als Stufen ausgestattet. Zudem bietet der Felsen genug Möglichkeiten für festen Halt und Stand. Man kann wählen, ob man sich an der erwähnten Kette sichert oder frei hinaufklettert. Auch dies sollte vorher sorgsam abgeschätzt werden (die Sicherungsausrüstung sollte natürlich mitgebracht werden). Während wir kletterten (wir hatten uns für ein freies Klettern entschieden) nahmen alle, die sich im Klettersteig befanden, aufeinander Rücksicht, auch wenn einmal die gesicherten Kletterer aufgrund des Umsteckens der Sicherungsgurte etwas länger brauchten. Zeit sollte man am Klettersteig genug einplanen, da vor allem der Rückweg und das eher ungewohnte Herunterklettern Ruhe und Konzentration erfordern. Man sollte nicht klettern wenn sich schlechtes Wetter und vor allem Regen/Gewitter ankündigen, da die Steine durch Nässe sicherlich schnell rutschig werden können.

Hat man den Klettersteig dann überwunden (wir benötigten ca. 15 Minuten hinauf), so wird man am Gipfel mit einem herrlichen Ausblick auf die umliegende Landschaft belohnt:

Am Gipfel trafen wir auf ein älteres Ehepaar (der Mann lässig in Sportschuhen, die unsere schweren Wanderstiefel alt aussehen ließen). Beide kannten sich prima aus und schienen in den Bergen zuhause zu sein. Als wir berichteten, dass dies unsere erste alpine Klettertour ist, bekamen wir ein „Nicht schlecht!“ zu hören. Ein Ritterschlag!

Beseelt durch dieses Lob und das Adrenalin nach dem anschließenden Abstieg durch den Klettersteig ging es nun gemütlich Richtung „Laber“, einem Nebengipfel. Hier ein Blick zurück auf den „Manndl“ (links) und sein „Weibl“ (tatsächlicher Name!):

Auf dem „Laber“ befindet sich eine Hütte inklusive Einkehr, die natürlich in keiner richtigen Wandertour fehlen darf. Ein schöner Ausblick, kalte Getränke und das Zusehen von Drachenfliegern, die diesen Punkt als Start für ihre Flüge ausgewählt haben, rundeten den Tag an dieser Stelle ab. Abwärts ins Tal nach Oberammergau ging es anschließend mit der Seilbahn, deren Abfahrtszeiten man beachten sollte: wir hatten Glück um 17:30 Uhr eine der letzten Talabfahrten zu erwischen.

Fazit: Insgesamt waren wir etwas mehr als 5,5 Stunden unterwegs, was einer mittleren Tagesstrecke entspricht. Durch den stetigen Aufstieg bis zum „Manndl“ inklusive anschließendem Klettersteig waren wir dennoch abends sehr geschafft (Grace war also mit Recht skeptisch). Die Route, die wir gelaufen sind (Ettal – „Manndl“ – „Laber“ – Oberammergau) empfiehlt sich nur für eine Anreise ohne Auto, da man ansonsten seinen Wagen wieder am Startpunkt abholen müsste. Natürlich lässt sich die Strecke aber auch prima mit Ettal bzw. umgekehrt mit Oberammergau als Start- und Endpunkt laufen.

Eine Planung sollte, selbst bei solch einer verhältnismäßig kurzen Tagestour, immer vorausgehen. Viele Meinungen und Erfahrungsberichte verderben in diesem Fall nicht den Brei, sondern lassen vorab schon ein gutes Bild von der geplanten Strecke entstehen. Und ruhig auch Wanderer auf der Strecke ansprechen und um Rat und Tipps bitten: Menschen, die sich in der Natur aufhalten, sind meistens nett!